Das Hôtel de la Marine restaurieren!

Wie kann ein Monument wie das Hôtel de la Marine, das mehrere Leben gelebt hat, restauriert werden? Begleiten Sie uns bei der Entdeckung der Kulissen eines außerordentlichen Bauvorhabens, das von 2017 bis 2020 an der Place de la Concorde mitten in Paris durchgeführt wurde.

Das Ministerium verlässt 2015 das Hôtel de la Marine in Paris und wird an den neuen Standort des französischen Verteidigungsministeriums im Süden von Paris verlegt. Das Monument wird somit dem Centre des monuments nationaux anvertraut. Ziel ist es, das Gebäude zu renovieren und die Besucher in die Zeit des Garde-Meuble de la Couronne zum Zeitpunkt seiner Errichtung im 18. Jahrhundert zurückzuversetzen.

Eine Priorität: Die Wiedergabe der Atmosphäre des 18. Jahrhunderts

Mehr als 200 Jahre lang befand sich der Sitz des Ministeriums und Generalstabs der Marine im Hôtel de la Marine. Während dieser Zeit haben sich die interne Organisation des Gebäudes sowie die Dekore maßgeblich verändert.
Das Centre des monuments nationaux, das mit der Verwaltung des Monuments und seiner Öffnung für das Publikum beauftragt wurden, traf die Entscheidung, wenn immer möglich die Dekore in ihrer Originalausführung wiederherzustellen: die Dekore des Garde-Meuble de la Couronne im 18. Jahrhundert, ein außerordentliches Zeugnis der herausragenden Stellung der französischen Architektur und Dekorationskunst.

“Wiedergabe”, um die Räumlichkeiten in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild nachzubilden, d. h. im Baustil der Gebäude des 18. Jahrhunderts. Das CMN und die Konservatoren-Restauratoren-Teams erleben in der Tat eine freudige Überraschung, als sie die ursprünglichen Wanddekore, Deckenverzierungen oder Bodendielen unter den aufeinanderfolgenden Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts wiederfinden.
Eine Chance für die Besucher, die somit die einzigartige Atmosphäre in einem außergewöhnlichen Wohngemach des Jahrhunderts der Aufklärung hautnah erleben können. In den Prunksalons entlang der Loggia wurde das Dekor des Ministeriums der Marine gegen Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten.

 

L’échafaudage dressé dans la cour de l’Intendant, l’une des cours intérieures de l’Hôtel de la Marine
Das Gerüst in der Cour de l'Intendant [Hof des Intendanten], einer der Innenhöfe des Hôtel de la Marine. © Benjamin Gavaudo

Schwerpunkt: Rekonstruktion oder Restaurierung?

Die Öffnung des Hôtel de la Marine für das Publikum hat das Centre des monuments nationaux und seine Konservatoren dazu veranlasst, Rekonstruktion und Restaurierung des Gebäudes zu kombinieren. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen?

Rekonstruktion: Dabei wird ein Objekt in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, indem Spuren von späteren Änderungen und eventuelle Beschädigungen beseitigt werden.

Restaurierung: Ein Werk oder Denkmal wird unter maximaler Berücksichtigung seines aktuellen Zustands und Stils wieder instand gesetzt.

Im Hôtel de la Marine wurde beschlossen, die Wohngemächer des Intendanten in ihrer ursprünglichen Gestaltung gegen Ende des 18. Jahrhunderts wiederherzustellen, indem die Spuren aus der Zeit des Ministeriums beseitigt wurden.
Das war möglich dank der Entdeckung der Originalmalereien unter neueren Malschichten, und ihrer Restaurierung sowie der Verwendung von damaligen Materialien und Techniken.

Wussten Sie das?

Es handelt sich um eines der umfangreichsten Bauvorhaben der französischen Hauptstadt!

Restaurierung des Bauwerks (2017 - 2019)

Die erste Phase bestand darin, dem Gebäude seine ursprünglichen Raumvolumen zurückzugeben.

Innerhalb von zwei Jahrhunderten entwickelten sich die Raumanforderungen der Marine maßgeblich weiter: zusätzliche Büros, Einbau von Aufzügen, aber auch neue Technologien wie Strom, Telefon oder Internet. Um Platz zu gewinnen, wurde einigen Räumen ein Zwischenboden beigefügt, um die Bodenoberfläche zu verdoppeln.
Die ehemalige Galerie der Bronzeskulpturen im ersten Stockwerk, die zum Innenhof geöffnet ist, wurde ebenfalls geschlossen und mit einem Zwischenboden ausgestattet, um mehr Raum zu schaffen.

In der ersten Phase des Bauprojekts konnten diese Veränderungen entfernt werden, um das Bauwerk in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen - sowohl im Hinblick auf die Innenräume als auch die Außenfassade. 

Die Umbauarbeiten des Hôtel de la Marine beinhalten nicht nur eine Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungbilds des Bauwerks.
Der Bauleiter wollte ein modernes Flair schaffen, indem die Cour de l'Intendant mit einem Glasdach ausgestattet und im Ehrenhof ein Lichtteppich installiert wurde.

Somit bietet das Gebäude einen gelungenen Dialog zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert.

 
La verrière d’une superficie de 300 m2 créée par Hugh Dutton couvre la cour de l’Intendant
 Das 300 m² große Glasdach, das von Hugh Dutton kreiert wurde, bedeckt die Cour de l'Intendant. © HDA-Nicolas Trouillard 

(Neu)Entdeckung der gemalten Dekore in den Wohngemächern des Intendanten

Wie werden die Dekore aus mehreren Jahrhunderten freigelegt?
Ganz einfach durch Abschaben... Dank Studien und Erhebungen vor der Restaurierung wurden sehr rasch unter den hinzugefügten Mal- und Dekorschichtendie ursprünglichen Malereien der Wohngemächer des Intendanten entdeckt.

Die Restauratoren-Teams hatten somit die Aufgabe, mithilfe von Skalpellen die neueren Malereien Zentimeter für Zentimeter zu beizen, abzuschaben, abzuschälen und zu entfernen, um die prachtvollen Dekore aus dem 18. Jahrhundert freizulegen.

Eine richtige Schatzsuche.

 
Une restauratrice en plein travail de dégagement des couches de peintures ajoutées après le XVIIIe siècle
Eine Restauratorin beim Ablösen der Malschichten, die nach dem 18. Jahrhundert hinzugefügt wurden. © Benjamin Gavaudo
 

Wussten Sie das? 

Die Arbeiter, die in den 1770er Jahren am Hôtel de la Marine arbeiteten, waren dieselben, die auch im Château de Versailles am Werk waren.

Besondere Sorgfalt wurde den Möbeln und Textilien gewidmet

Dank den Möbelinventaren des Garde-Meuble konnten die meisten Möbel und Stoffe, die im 18. Jahrhundert für die Einrichtung des Hôtel de la Marine verwendet wurden, identifiziert werden.

Marc-Antoine Thierry de Ville-d’Avray, Intendant des Garde-Meuble, nahm im Jahr 1774 ein Generalinventar der Sammlungen der Institution vor, das heute noch als Referenz gilt

Was ist wichtiger als das Mobiliar, um an einem Ort die Atmosphäre vergangener Zeiten wieder auferstehen zu lassen? Das Centre des monuments nationaux hat kürzlich zwei einzigartige Möbelstücke des Ebenisten Jean-Henri Riesener erworben: eine Kommode und ein Schreibtisch mit Aufsatz.
Das erste Möbelstück repräsentiert den charakteristischen Stil des königlichen Ebenisten, das zweite ist als Nationalschatz registriert und wurde vom Intendanten Pierre-Elisabeth de Fontanieu für die Möblierung seiner Privatgemächer bestellt.

Bei der Restaurierung der Dekore, die auf Betreiben vom Centre des monuments nationaux und seinen Experten eingeleitet wurde, wird ebenfalls sorgfältig auf die Verwendung hochwertiger Vorhänge, Möbelstoffe und Tapeten geachtet, um in den Wohnräumen des Intendanten ebenso wie den Empfangssalons die ursprüngliche Atmosphäre wiederherzustellen.

 

Mise à jour des décors d'origine grâce à l'intervention de restauratrices du patrimoine
Freilegung der Originaldekore dank der Intervention von "Restauratorinnen des Kulturerbes" - © Benjamin Gavaudo

Hierfür wurden Originalstoffe aus der damaligen Zeit bei Händlern oder auf öffentlichen Auktionen erworben: karmesinroter Damast, broschierte Gewebe... Dank dieser Stoffe konnten die Möbel, insbesondere die Sitze, neu bezogen werden.
Die Restauratoren fanden zudem genug karmesinroten Damast, um das vergoldete Kabinett von Pierre-Elisabeth de Fontanieu vollständig neu zu beziehen. 

Zwei Räume - die Schlafzimmer von Thierry de Ville d'Avray und seiner Gemahlin - wurden komplett mit Stoffbezügen bespannt. Leider konnte nicht genug Tuch gefunden werden, um die Wandtapeten durchwegs originalgetreu zu renovieren.
Das Centre des monuments nationaux unternahm zahlreiche Versuche, um einen Stoff zu finden, der den ursprünglichen Stoffen möglichst gleichkam.
Die Türflügel des Schlafzimmers von Thierry de Ville d'Avray, die derzeit im Boston Museum aufbewahrt werden, stellen eine wichtige Referenz für diese Arbeit dar.

Das Bauvorhaben in Zahlen:

● 3 Jahre Umbauarbeiten

● Freilegung von Dekoren auf 1.200 m²

● Budget in Höhe von 130 Mio. €

● Mehr als 40 an den Umbauarbeiten beteiligte Unternehmen

● 500 restaurierte Holzobjekte

● Kreation eines Glasdachs von 330 m² zur Abdeckung des Innenhofs

● 12.700 m² renovierte Gesamtoberfläche, davon 6.200 m² für die Besichtigungsbereiche

 

Les restauratrices effectuent des sondages en enlevant les couches de peintures une par une et découvrent les décors peints d'origine
Die Restauratorinnen führen Erhebungen durch Ablösen einzelner Malschichten durch und entdecken die gemalten Originaldekore © Benjamin Gavaudo

Das Wort von Delphine Christophe

Stellungnahme von Delphine Christophe, Leiterin Konservierung und Sammlungen im Centre des monuments nationaux, verantwortliche Koordinatorin der Bauarbeiten im Hôtel de la Marine
 

 "Da das Hôtel de la Marine bisher außerhalb der Europäischen Tage des Kulturerbes nur in sehr geringem Ausmaß für die Öffentlichkeit zugänglich war, kann der Besucher nun das Gebäude und vor allem die Gemächer des Intendanten komplett neu entdecken

Es handelt sich um ein ganz außergewöhnliches Bauvorhaben aufgrund der Prioritäten, die wir für die Restaurierung dieser Wohngemächer definiert haben: Freilegung der Originaldekore, Verwendung originalgetreuer Stoffe, zahlreiche Möbelstücke aus dem 18. Jahrhundert...

Während dieser Bauarbeiten haben wir gezielt unser Bestreben verdeutlicht, aus diesem Palast einen "bewohnten Ort" zu machen: Hier befindet man sich nicht in einem Museum, sondern in einem Baudenkmal. Unser Ziel besteht eindeutig darin, dem Besucher das Leben in diesen Wohngemächern während der Aufklärung vor Augen zu führen, indem das herausragende Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts in Szene gesetzt wird.

Diese Bereiche sind im Übrigen überaus untypisch und absolut einzigartig. Die beiden Intendanten des königlichen Garde-Meuble haben sich in hohem Maße in den von ihnen verwalteten königlichen Sammlungen bedient, um ihre Wohngemächer zu möblieren. Wir befinden uns hier weder am Königshof noch einem Wohnsitz des Hochadels zu dieser Zeit!

Wir wollten zeigen, dass dieser Ort in erster Linie ein Wohnraum und Empfangsbereich war. Aus diesem Grund setzen wir auch gezielt ein digitales Vermittlungstool (ein kabelloses Headset für eine immersive Audioführung) ein und vermeiden traditionelle Vermittlungsmedien in diesen Bereichen."

Machen Sie einen Ausflug ins 18. Jahrhundert im Hôtel de la Marine!