Das Hôtel de la Marine: Ein Palast des 18. Jahrhunderts im Zentrum von Paris 

Den Pariser Einwohnern ist dieses Monument, dessen Fassade den nordöstlichen Teil der Place de la Concorde ziert, gut bekannt. Häufig kennen sie sogar seinen Namen - aber vielleicht etwas weniger seine Geschichte. Wir laden Sie ein, die Geheimnisse des Hôtel de la Marine zu entdecken - ein emblematischer Ort in Paris und wichtiges Zeugnis der Geschichte Frankreichs. 

Die Geschichte des Hôtel de la Marine

Die Wahl der Place de la Concorde

Die Place Louis XV. - aktuelle Place de la Concorde - verdankt seine Existenz dem Wunsch der Stadt Paris, hier im Jahr 1748 eine Statue zu Ehren von König Ludwig XV. zu errichten.
Um einen gebührenden Rahmen für diese Reiterstatue zu schaffen, mit deren Anfertigung Edmé Bouchardon beauftragt wurde, entsteht die Idee eines Platzes zu Ehren des Königs nach dem Vorbild der Place des Vosges oder der Place Vendôme. 
 

 

Paris im 18. Jahrhundert. Stadtplan von Paris in 20 Ansichten: Faksimilé [Faksim.-Reprod.]) / gezeichnet und graviert im Auftrag von Michel-Etienne Turgot, Aufriss und Zeichnung von Louis Bretez
©Gallica-BnF

Nach längerem Zögern stiftet König Ludwig XV. ein Gelände aus seinem Landbesitz im Westen der Stadt in der Nähe des Jardin des Tuileries.
Ein Architekturwettbewerb wird für die Gestaltung dieses Platzes durchgeführt. Neunzehn Vorschläge werden eingereicht, aber keiner stellt den König zufrieden.
Nach fünfjährigen Debatten entwirft Ange-Jacques Gabriel, erster Architekt des Königs, die endgültigen Pläne für den zukünftigen Platz Louis XV., indem er die verschiedenen Bauprojekte zusammenfasst.

Die Statue des Königs soll mitten auf einem Platz stehen, der von trockenen Gräben umgeben von Balustraden geformt ist. Die Skulptur stellt den Monarchen im römischen Stil dar, d. h. ein Reiterdenkmal, ohne Sattel und Steigbügel. Südlich des Platzes fließt die Seine, im Norden stehen zwei Doppelpaläste mit monumentalen klassischen Fassaden zu beiden Seite der Rue Royale, und im Westen zeigt der Platz zu den Champs-Elysées und der Cours la Reine. 

Nach dem Sturz der Monarchie wird dieser Platz Louis XV., der zu Ehren des Königs angelegt wurde, in "Place de la Révolution" und schließlich ab 1795 in "Place de la Concorde" umbenannt.

 

The Inauguration of the Statue of Louis XV
The Inauguration of the Statue of Louis XV, Augustin de Saint-Aubin
©Met Museum

Der Sitz des Garde-Meuble de la Couronne

Nach Anfertigung der Entwürfe und dem Beginn der Bauarbeiten ist es Zeit, einen Verwendungszweck für die beiden Paläste im Norden des Platzes zu finden.
Im Jahr 1765 wird beschlossen, den Garde-Meuble de la Couronne, eine Institution zur Verwaltung des königlichen Mobiliars, im östlichsten Palast (zwischen der heutigen rue Royale und rue Saint-Florentin) unterzubringen - das zukünftige Hôtel de la Marine. Nachdem er zuerst nur einen Teil des Gebäudes belegen sollte, wird der Garde-Meuble ab 1767 letztendlich alle Räume nutzen.
Pierre-Elisabeth de Fontanieu, der erste Intendant an der Spitze des Garde-Meuble, baut zu diesem Anlass das Hôtel nach dem Bedarf seiner Verwaltung um: Lager, Werkstätten, Amtswohnungen, Ausstellungsgalerien...

Ungefähr 25 Jahre lang dient der Palast als Garde-Meuble und Wohnsitz des Intendanten Pierre-Elisabeth de Fontanieu sowie seines Nachfolgers Marc-Antoine Thierry de Ville d’Avray

Als Vorläufer der staatlichen Dienststelle Mobilier national war diese Einrichtung für die Anschaffung und Instandhaltung des Mobiliars der königlichen Residenzen zuständig: Versailles, aber auch Compiègne, Fontainebleau, Marly, Choisy, Trianon, Rambouillet, Saint-Germain-en-Laye und Montreuil.
Die Institution ist für Auswahl, Erwerb und Instandhaltung des königlichen Mobiliars zuständig - vom Bett bis zum einfachen Sessel. Sie kümmert sich ebenfalls um die Aufbewahrung der königlichen Sammlungen, die Waffen, Rüstungen, Stoffe und Wandteppiche, Steinvasen, Bronzeskulpturen und zu guter Letzt die Kronjuwelen umfassen.

Die Intendanten

1- Pierre Elizabeth de Fontanieu (1730-1784), erster Intendant des Garde-Meuble (1775) Pierre Elizabeth de Fontanieu (1730-1784) 1775
© Beaux-Arts de Paris, Dist. RMN-Grand Palais - Image INHA
2 - Marc-Antoine Thierry de Ville-d'Avray (1732-1792) 1790 
© Château de Versailles, Dist. RMN-Grand Palais - Christophe Fouin

Die Französische Revolution bricht 1789 aus und ändert für immer den Lauf der Geschichte dieses Palastes an der Place Louis XV.

Als Symbol der königlichen Verwaltung und Zeichen des Prunks und Pomps der Monarchen sind die Tage des Garde-Meuble gezählt. 

Zwei Ereignisse prägen die Geschichte des Ortes:

  • Am 13. Juli 1789 ergreifen die Revolutionäre Besitz der in der Waffenkammer ausgestellten Waffen. Am nächsten Tag holen sie die Munitionen in der ....Bastille. Es ist der Beginn der Revolution.
    Eine Geschichte besagt, dass die ersten Schüsse auf die Bastille mit Kanonen abgefeuert wurden, die auf damaszierten Lafetten (Untergestell) aus reinem Silber - ein Geschenk des Königs von Siam an Ludwig XIV. aus dem Jahr 1684 - montiert waren. Die Revolutionäre hatten sie am Vortag aus den königlichen Sammlungen des Garde-Meuble mitgenommen.
  • Am 16. September 1792 ereignet sich der Diebstahl der Kronjuwelen im Hôtel de la Marine. In der Nacht betreten etwa vierzig Personen den Salon, in dem die Schmuckstücke ausgestellt sind, und rauben eine Beute im Wert von fast 30 Millionen Francs.

Der Sitz des Ministeriums der Marine während 226 Jahren 

Zu Beginn der Revolution verlässt Ludwig XVI. Versailles für Paris.
Alle staatlichen Verwaltungsbehörden in Versailles müssen nach Paris verlegt werden.
Aber ein bedeutendes Hindernis steht im Weg: An welchem Ort in Paris sollen sie untergebracht werden? Das Ministerium der Marine, an dessen Spitze der Comte de la Luzerne und Jean-Baptiste Berthier stehen, erhält vom Intendanten des Garde-Meuble, Marc-Antoine Thierry de Ville d'Avray, die Genehmigung, den Palast zu beziehen 1789.

Zunächst belegt die Marine die Räumlichkeiten im zweiten Stockwerk und den Westflügel im ersten Stock. Innerhalb von weniger als 10 Jahren sollte sie das gesamte Gebäude in Besitz nehmen. So beginnt der über zwei Jahrhundert lange Aufenthalt im Palast dieser Verwaltungsbehörde, der von hier ab den Namen Hôtel de la Marine trägt. Erst 2015 verlässt das Ministerium das Gebäude.

 

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 Tapete des Hôtel de la Marine

Und was wird währenddessen aus dem Garde-Meuble?

Als Symbol des Ancien Régime wird die Institution während der Revolution zunächst ganz einfach abgeschafft. Ein Teil der Möbel und Kunstobjekte wird auf Auktionen verkauft oder verbrannt, u. a. um die Edelmetalle zu erhalten. 1800 wird er als "Garde-Meuble des Consuls" [Möbellager der Konsuln] zu neuem Leben erweckt. Der Name wird dann erneut in "Mobilier impérial" geändert, bis die Institution letztendlich im Jahr 1870 zur staatlichen Dienststelle "Mobilier national" wird. Die staatliche Dienststelle Mobilier national ist heute noch für das Möblieren der verschiedenen staatlichen Einrichtungen, u. a. des Palais de l'Elysée, zuständig.

Vom Büro des Generalstabschefs bis zur Galerie der großen Präfekturen der französischen Marine - die Marine gestaltet den Ort ihrem Bedarf entsprechend um: Raumaufteilung zur Vergrößerung der Büros, Umgestaltungen im Zusammenhang mit den technologischen Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert (Elektrizität, Telefon, Aufzüge...), aber auch Dekordetails wie die Porträts berühmter Seeleute der Königlichen Marine.

Zum Zeitpunkt des Auszugs der Marine wird die Gebäudeverwaltung dem Centre des monuments nationaux übertragen.
Eine umfassende Restaurierung wird unternommen, um das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und den Gemächern der Intendanten des königlichen Garde-Meuble ihre prunkvolle Aufmachung im Stil des 18. Jahrhunderts zurückzuverleihen.

Eine charakteristische Architektur des französischen 18. Jahrhunderts

Die Fassade der Place de la Concorde

Im 18. Jahrhundert offenbart die europäische Architektur eine ausgeprägte Vorliebe für den Barockstil, der durch besondere Pracht, Formenvielfalt, Schatten-, Licht- und Farbenspiele gekennzeichnet ist. Im Gegensatz dazu beeindruckt die Fassade des Monuments zunächst durch die perfekte Beherrschung der Symmetrie nach klassischen Prinzipien, so wie sie von der königlichen Akademie für Architektur definiert werden.
Das Hôtel de la Marine - ebenso wie sein westliches Gegenstück, in dem sich heute das Hôtel Crillon, der Automobile Club France und das Hôtel de Coislin befindet - bestätigt die französische Vorliebe für strenge Prinzipien, geometrische Linien und das Gefallen an der antiken Ästhetik im 18. Jahrhundert. 

Die Fassade besteht aus folgenden Komponenten:

  • auf der Straßenseite: ein Unterbau mit Arkaden ermöglicht den Fußgängerverkehr der Pariser Einwohner;
  • auf beiden Seiten zwei Eckpavillons, die unter Berücksichtigung symbolischer Dimensionen gestaltet wurden, als perfektes Beispiel für die akademische Architektur und Bezugnahme auf die Antike. Beide sind von dreieckigen, in Stein gemeißelten Giebeln überkrönt, auf denen allegorische Figuren der öffentlichen Herrlichkeit und Glückseligkeit dargestellt sind. Sie sind das Werk von Guillaume Coustou und Michel- Ange Slodtz.
  • Der Mittelteil ist unterstrichen durch eine Loggia mit einem Säulengang nach dem Vorbild des antiken Perystils. Die 12 gerippten Säulen sind von korinthischen Kapitellen überkrönt.

 

Die Gemächer des Intendanten

An der Spitze des Garde-Meuble steht ein Intendant. Als Offizier des Königshauseswohnt er vor Ort in luxuriösen Wohngemächern, welche die repräsentative Funktion seines Amtes verdeutlichen.

Die Gemächer des Intendanten werden 1765 von Pierre Elisabeth de Fontanieu eingerichtet und ab 1786 von Marc-Antoine Thierry de Ville d’Avray umgestaltet. Sie sind ein Beispiel für das ideale Wohngemach nach den geltenden ästhetischen Standards gegen Ende der Aufklärung und verfügen mindestens über ein Vorzimmer, ein Schlafzimmer und ein Kabinett.

Die Gemächer des Intendanten befinden sich im Osten in der ersten Etage, d. h. im "edlen Stockwerk", das heute zur Place de la Concorde und der Rue Saint-Florent blickt.
Sie wurden im Laufe der Zeit von den verschiedenen Inhabern umgestaltet und umfassen heute: 

● Im Norden die Gemächer von Thierry de Ville d’Avray: ein Vorzimmer, ein Schlafzimmer, ein Empfangskabinett und das Badekabinett. 

● Im Süden das Schlafzimmer von Madame Thierry de Ville d’Avray

Beide Gemächer sind über Empfangsräume miteinander verbunden: Salon und Speisesaal.

● Zum Innenhof das Schlafzimmer von Pierre Elisabeth de Fontanieu sowie das Spiegelkabinett und goldene Kabinett, das vom Intendanten eingerichtet wurde.

 

Cabinet des glaces, appartements de l’intendant
Spiegelkabinett, Wohngemächer des Intendanten © Ambroise Tezenas

Die Empfangsräume

Das Leben der adeligen Gesellschaft im 18. Jahrhundert dreht sich um tägliche Empfänge, die standesgemäß in allen guten Häusern gegeben werden.
Die Hausherrin hält einen Salon, in dem ganz Paris und die Intellektuellen verkehren. Der Empfang von Gästen ist eine Kunst, die sich in der Raumaufteilung der Wohngemächer sowie der luxuriösen Gestaltung der Empfangsräume wiederspiegelt. 

Die Einteilung zwischen den verschiedenen Gemächern eines Pariser Stadthauses des 18. Jahrhunderts verläuft nach einer vertikalen Achse, die der monumentalen Treppe, über die das gesamte Gebäude zu erreichen ist, eine zentrale Rolle zuweist.

Die Treppe führt nicht nur zu den Gemächern, sondern ebenfalls zu den Ausstellungsgalerien im ersten Stockwerk an der zur Place de la Concorde gerichteten Fassade: Waffenkammer, Galerie der Grands Meubles (Stoffe und Wandteppiche), Schatzkammer, Galerie der Bronzeskulpturen. 

Ursprünglich dienten diese Räume dazu, die königlichen Sammlungen den französischen und ausländischen Besuchern zu präsentieren. Sie sollten das herausragende Können des französischen Kunstgewerbes und die Macht der Monarchie verdeutlichen. Diese Räume wurden im 19. Jahrhunderts von der Marine in Prunksalons umgewandelt.

Die große Galerie wurde zweigeteilt und diente im 19. und 20. Jahrhundert als Schauplatz zahlreicher glanzvoller Feste. Anlässlich der Krönungen von Napoleon et Karl X. wurden Bälle an diesem Ort veranstaltet. 
 

Salon d'honneur, décor du plafond au-dessus de la glace sans fond
Ehrensalon, Deckendekor über dem Einwegspiegel, © Jean-Pierre Delagarde

In diesen Räumen sind die meisten Spuren aus der Zeit der Marine im Gebäude erhalten. Prachtvolle Verzierungen zum Thema Meer und Seefahrt finden sich beispielsweise im Ehrensalon, aber auch in der ehemaligen Waffenkammer des königlichen Garde-Meuble, der in einen prunkvollen Speisesaal umgewandelt wurde, oder im Salon der Diplomaten.

  • Die Dekoration der Ehrensalons und Empfangsräume, die ab 1843 unternommen wurde, signalisiert den Einzug der Marine in diese Räumlichkeiten. An den Wänden hängen Porträts der Admirale des Ancien Régime: Tourville, Vize-Admiral von Ludwig XIV., Jean Bart, Freibeuter aus einer angesehenen Seefahrerfamilie, Duguay-Trouin, Freibeuter aus Saint-Malo mit achtzig Kämpfen und Enterzügen, und Duquesne, Generalleutnant der Seestreitkräfte von Ludwig XIV.
  • Das Büro des Generalstabschefs der Marine ist heute noch erhalten und das Symbol für den Einzug der Marine in das Gebäude. Mehr als zwei Jahrhunderte lang wurden hinter diesen Mauern die wichtigsten Entscheidungen der französischen Marine getroffen, unabhängig von Zeitepochen und politischen Systemen. Wenn die Wände sprechen könnten...

2020, eine neue Ära für das Hôtel de la Marine

Nach dem Auszug der Marine im Jahr 2015 wird das Hôtel de la Marine dem Centre des monuments nationaux übergeben. Im Rahmen des Auftrags, dieses außergewöhnliche Kulturerbe gebührend zur Geltung zu bringen, führt das CMN von 2017 bis 2020 eine umfassende Restaurierung des gesamten Monuments durch. 
Seine Architektur, aber auch die gemalten Dekore, das Mobiliar und die Kunstobjekte aus dem 18. und 19. Jahrhundert präsentieren der Öffentlichkeit die enge Verbindung zwischen dekorativer Kunst, Kultur des Gästeempfangs, Kunsthandwerk, der herausragenden Stellung Frankreichs und dem Ausdruck von Macht. 

Seit 2017 wurden im Zuge von Restaurierungen wahre Schätze zutage gebracht, u. a. mit der Neuentdeckung der Originaldekore der Gemächer des Intendanten, so wie sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts vorhanden waren. 

Entdecken Sie das Hôtel de la Marine und seine verschiedenen Besichtigungsrundgänge!