Zur Zeit des Garde-Meuble ist es sehr in Mode, eine Kommode Louis-quinze zu besitzen. Aber warum? 

Jean-Henri Riesener, Ebenist des Königs seit 1774, ist DER unangefochtene Experte für die Herstellung dieser Möbelstücke, die bei den Adeligen des 18. Jahrhunderts besonders gefragt sind. Seine Arbeit gibt den raffinierten Stil und die opulente Pracht der damaligen Zeit in vollem Umfang wieder. Seine Möbel können in den schönsten Räumen von Schloss Versailles, aber auch in Paris im Garde-Meuble de la Couronne, dem zukünftigen Hôtel de la Marine, bewundert werden.

Jean-Henri Riesener, Handwerker und Künstler

Jean-Henri Riesener ist zweifellos der berühmteste Ebenist des 18. Jahrhunderts.

Riesener stammt ursprünglich aus Deutschland. Er macht seine Ausbildung zum Ebenist in Paris in dem Atelier von Jean-François Oeben, Ebenist von Ludwig XV. und "Protégé" der Marquise de Pompadour, der für seine Möbel mit Mechanismen bekannt ist. Diese Möbel verfügen über einfallsreiche Systeme, um sie zu öffnen, zu drehen etc. Riesener erhält den Meistertitel im Jahr 1767.

Die Merkmale seines Stils?

  • Reich verzierte Marketerie-Arbeiten und die Verwendung von Bronzevergoldungen von größter Feinheit;
  • Eleganz des Mobiliars mit Ziertafeln und geschwungenen Streben;
  • auf den Kommoden: eine mittlere Tafel mit einem großflächigen Motiv, bei dem es sich um ein echtes Kunstwerk handelt.

 

Portrait de Jean-Henri Riesener par Antoine Vestier (1786)

Porträt von Jean-Henri Riesener von Antoine Vestier

 

Ab 1774 arbeitet er mit Pierre-Elisabeth de Fontanieu, Intendant des Garde-Meuble de la Couronne, zusammen und fertigt zahlreiche Möbelstücke für den König an. Er sollte ebenfalls eine Reihe von Möbelstücken für die Ausstattung der Wohngemächer des Intendanten im Garde-Meuble kreieren

Marc-Antoine Thierry de Ville d'Avray setzt zum Zweck von Einsparungen der Zusammenarbeit zwischen dem Garde-Meuble de la Couronne und Riesener ein Ende, da seine Kreationen als zu kostspielig erachtet wurden.

 

Was ist Marketerie?

Marketerie ist eine kreative Technik zur Dekoration von Möbelstücken, Holzarbeiten oder Gemälden. Dabei handelt es sich um Einlegearbeiten, bei der figürliche oder abstrakte Darstellungen und Ornamente aus Furnierblättern zusammengesetzt und auf eine Grundfläche aufgeklebt werden. Der Fachmann verwendet Holz, aber auch Perlmutt, Elfenbein, Stein, Nicht-Eisenmetall (um Rostbildung zu verhindern), Stroh, Schildpatts, Knochen...

Diese sehr präzise Dekorationstechnik erreicht im 17. und 18. Jahrhundert ihre Glanzperiode. Es handelt sich um eine Spezialität der Ebenisten, die damit ihr hohes Renommee begründen. Einer der berühmtesten Marketerie-Künstler ist André-Charles Boulle, Ebenist von Ludwig XIV., der zur herausragenden Stellung des französischen Kunstgewerbes im 17. Jahrhundert beiträgt.

 

Die Kommode des Garde-Meuble

Diese Kommode stand ursprünglich in den Wohngemächern von Lemoine de Crécy, der Gemahlin des Intendanten des Garde-Meuble de la Couronne ab 1784. Man findet seine Spur im Inventar des Mobiliars von 1788.

Commode de Jean-Henri Riesener

Die Kommode von Jean-Henri Riesener, die für die Wohngemächer der Gemahlin des zweiten Intendanten angefertigt wurde.

 

Diese Kommode ist ein perfektes Beispiel für den Stil von Riesener:

Das Außendekor verdeckt perfekt die Struktur des Möbelstücks. Können Sie die Anzahl der Schubladen erkennen?

Die Goldverzierungen sind aus Bronze gearbeitet und sehr fein ziseliert. Im Mittelteil befindet sich eine besonders fein gearbeitete Marketerie-Arbeit. Sie stellt eine Vase auf einem Sockel dar, die mit verschiedenen Blumen in Trompe-l'Oeil-Optik gefüllt ist. Die Blumenmotive sind mit verschiedenen Edelhölzern eingearbeitet, die das Volumen und die Farben hervorheben. Dieses Kunstwerk ist von zwei vergoldeten Lorbeerkränzen umrahmt, die mit Schleifen befestigt sind. Diese Dekorelemente sind charakteristisch für den Stil Louis-seize. In der Tat ist Riesener einer jener Künstler, die den Übergang zwischen den Stilrichtungen Louis-quinze und Louis-seize prägen.

Heute sind nur sehr wenige Möbelstücke von Riesener in öffentlichen oder privaten Sammlungen erhalten, die der Öffentlichkeit präsentiert werden. Beim Besuch des Hôtel de la Marine haben Sie die einzigartige Gelegenheit, dieses Möbelstück in seiner ursprünglichen Umgebung zu bewundern: das Gemach von Pierre-Elisabeth de Fontanieu!

Diese Kommode ist eine Spende der Al Thani Collection Foundation an das Centre des monuments nationaux.