Mitten in Paris auf der Place Louis XV. (Anm. d. Red.: der aktuelle Place de la Concorde) befindet sich ein bemerkenswerter Palast: der Garde-Meuble de la Couronne. An diesem Ort werden die schönsten Meisterwerke aus den Möbelsammlungen des Königs aufbewahrt: Mobiliar, Waffen, Stoffe und Wandtapeten, aber auch kleine Bronzeskulpturen und Juwelen aus dem 18. Jahrhundert.

Pierre-Elisabeth de Fontanieu, Intendant des Garde-Meuble, lässt diese Ausstellungssäle im nagelneuen Palast seiner Administration einrichten. Zuvor konnten die Besucher die Sammlungen nur in den Reservekammern und Lagern besichtigen. Diese neue Präsentation der Sammlungen kann als erstes "Kunstgewerbemuseum" von Paris betrachtet werden, das die königliche Macht und französische Handwerkskunst in Szene setzt!

Wenn Sie die Ehrentreppe dieses wunderschönen Stadtpalastes emporsteigen, beachten Sie bitte das schmiedeeiserne Geländer aus dem Jahr 1775.

 

Die Waffenkammer

Die Besichtigung beginnt in einem ersten Salon mit blauer Tapete, wo die königliche Sammlung von Prunkwaffen präsentiert wird. 

Zu bewundern sind überaus bemerkenswerte Stücke, wie die Rüstungen der französischen Könige ab Philipp IV. der Schöne (1285-1314). Unter anderem ist jene Rüstung zu sehen, in der Heinrich II. beim berüchtigten Turnier 1559 tödlich verletzt wurde.

 

Armure du dauphin Henri, futur Henri II

Rüstung von Heinrich II.

 

Ebenfalls vorhanden sind Objekte aus fernen Ländern, wie eine japanische Samurai-Rüstung oder aufwändig dekorierte Kanonen, ein Geschenk des Königs von Siam an Ludwig XIV. aus dem Jahr 1684.

 

Armure japonaise du XVIe siècle

Japanische Rüstung aus dem XVI. Jahrhundert

 

Anekdote 

Wie in jedem Museum ist die Reinigung ein wichtiger Aspekt. Diese Arbeit verrichten sog. "Frotteurs" (Scheurer). Sie reinigen die Möbel jede Woche sowie am Vorabend und am Tag nach der Öffnung des Garde-Meuble für das Publikum. Alles muss blitzblank sein!

 

Die Galerie der Grands Meubles

Diese riesige Galerie verläuft entlang der Loggia mit Säulengang, die zur Place Louis XV. blickt. An der gegenüberliegenden Wand befinden sich große Wandschränke, in denen die wertvollen Stoffe und Textilien des Garde-Meuble vor Staub und Licht geschützt aufbewahrt werden. Bei der Öffnung für das Publikum werden die Türen dieser Schränke geöffnet, damit die Besucher die darin verborgenen kostbaren Schätze bewundern können.

In diesem Raum sind ebenfalls die schönsten Wandteppiche der königlichen Sammlungen zu sehen, wie jene, die von Ludwig XIV. für den Palais de Trianon in Versailles bestellt wurden, sowie Möbel aus dem Besitz von Franz I. und seiner Nachfolger, der Mantel des Orden vom Heiligen Geist von Heinrich III...

Zu beiden Seiten der Galerie sind die beiden großen offiziellen Porträts von Ludwig XV. und Ludwig XVI. zu bewundern.

 

Ludwig XVI. im Krönungsmantel, gemalt von Antoine-François Callet (1779)

 

Die Schatzkammer

Es handelt sich um den absoluten Höhepunkt des Rundgangs. In diesem Salon sind die wertvollsten Gegenstände in großen Glasschaukästen ausgestellt: 558 Vasen aus farbigem Stein oder Bergkristall.

Zuletzt können Sie in einem Tresor-Möbelstück einen Blick auf die Kronjuwelen werfen: u. a. der Diamant Regent, der Sancy-Diamant und der Große Saphir von Ludwig XIV. Angesichts der außerordentlichen Qualität dieser Sammlungen war ein ganz besonderes Möbelstück erforderlich. Der Intendant des Garde-Meuble, Marc-Antoine Thierry de Ville-D'Avray, ließ das Möbelstück eigens für die Präsentation dieser Edelsteine anfertigen. Es besteht aus lackierten Holztafeln mit Marketerie-Motiven aus Florentiner Marmor. 

 

Wussten Sie das?

Dank der Anwesenheit von Wächtern war ab der Öffnung dieses Museums für das Publikum von 1776 bis 1791 kein einziger Diebstahl zu beklagen. Aber das ändert sich im Jahr 1792. Eine Einbrecherbande profitiert vom unsicheren Klima in der Hauptstadt, um in die Schatzkammer einzudringen und den Kronschatz zu rauben.

 

Die Galerie der Bronzeskulpturen

Die Besichtigung endet mit der Präsentation der Bronzeskulpturen. Diese Galerie wird 1786 im Ausgangskorridor der Schatzkammer eingerichtet und weist ein Dekor aus Quadersteinen in Trompe-l'Oeil-Optik auf. Hier werden 69 Bronzestatuen, Miniaturen königlicher Baudenkmäler und Marmorbüsten präsentiert.

 

La Galerie des Antiques au Garde-Meuble dessinée par Jean-Démosthène Dugourc (1778)

La Galerie des Antiques au Garde-Meuble [Die Galerie der Antiquitäten im Garde-Meuble], gezeichnet von Jean-Démosthène Dugourc (1778) 

 

Praktische Informationen 

Im 18. Jahrhundert erfolgt der Zugang zu den königlichen Sammlungen im Garde Meuble über die Eingangspforte Porte Royale, die sich unter dem Säulengang der Place Louis XV. befand.

Der Eintritt war kostenlos von April bis November an allen ersten Dienstagen des Monats, von 9 bis 13 Uhr.

 

Wussten Sie das?

Warum war das Museum im Winter geschlossen? In den Ausstellungsräumen gab es keinen Kaminofen, und die Beleuchtung wäre zu teuer gewesen.

 

Heute befinden sich an Ort und Stelle der ehemaligen Galerien des französischen Kunstgewerbes die Ehrensalons des Hôtel de la Marine. Bestimmte Möbel, die früher Teil der Sammlungen des Garde-Meuble waren, sind allerdings im Wohngemach des Intendanten ausgestellt.

 

"Kommen Sie und sehen Sie selbst"