Der Garde-Meuble de la Couronne, Vorläufer der staatlichen Dienststelle Mobilier National, ist eine Einrichtung, die für die Verwaltung der königlichen Möbel zuständig ist: Mobiliar, Wandtapeten, aber auch Goldschmiedekunst, Waffen und kleine Bronzeskulpturen.

Der Palast am Place de la Concorde in Paris - das heutige Hôtel de la Marine - wurde in den 1760er Jahren gebaut, um diese Einrichtung, seine Lager und Reparaturwerkstätten, aber auch die Gemächer des Intendanten des Garde-Meuble unterzubringen.

Entdecken Sie diese geheimnisvolle und emblematische Institution des Ancien Régime in Frankreich!

Eine Einrichtung aus dem Mittelalter....und heute noch aktuell!

Im Mittelalter und während der Renaissance führen der König und sein Hofstaat ein Nomadenleben. Bei dieser ambulanten Hofhaltung reist die königliche Familie und der Hof durch das Reich und verweilt in verschiedenen königlichen Residenzen, die im Zuge der Reiseetappen hergerichtet werden mussten. Im 13. Jahrhundert schufen Ludwig IX. und Philippe X. das Amt des "Kammerdiener und Aufseher der Schlafzimmer und Teppiche des Königs". Diese Person hatte die Aufgabe, die Schlösser vor der Ankunft von König und Hofstaat zu möblieren.

 

 Le château d'Anet par Antoine Caron (1521-1599), musée du Louvre, D.A.G.Photo

Arrivée de la cour royale au château d'Anet [Ankunft des königlichen Hofs im Château d'Anet] von Antoine Caron

 

Aber die Institution des Garde-Meuble, so wie es sich im Hôtel de la Marine im 18. Jahrhundert befindet, wird offiziell von Ludwig XIV. und seinem damaligen Finanzminister Colbert im Jahr 1663 geschaffen. Gemeinsam bestimmen sie die Aufgaben, Organisation und interne Funktionsweise. Das Hôtel Bourbon, das Hôtel Conti aber auch das Hôtel d'Evreux - der aktuelle Palais de l'Elysée - beherbergen diese Einrichtung vor ihrer Übersiedlung in das Hôtel de la Marine im Jahr 1772.  

Der Garde-Meuble, der bis 1797 das Attribut " Royal"( königlich) trägt, wird während der französischen Revolution abgeschafft. Es wird 1800 als "Garde-Meuble des Consuls" (Möbellager der Konsuln) zu neuem Leben erweckt. Napoleon Bonaparte benennt es nach seiner Krönung zum Kaiser 1804 in "Mobilier impérial" (kaiserliches Möbellager) um. Erst 1870 wird der Garde-Meuble zur staatlichen Dienststelle  Mobilier national - und diesen Namen trägt es noch heute. Seit 1937 befindet es sich in einem Gebäude, das von Auguste Perret über der ehemaligen Gartenanlage der Gobelins-Manufaktur im 13. Pariser Arrondissement errichtet wurde.

 

Wussten Sie das?

Heute sind die Sammlungen der französischen Nationalmuseen unveräußerlich. Das bedeutet, dass sie nicht verkauft werden können. Dieses Gesetz geht auf Ludwig XIV. und die Gründung des königlichen Garde-Meuble zurück. In der Tat ärgert sich der König über das häufige Verschwinden von Einrichtungsgegenständen aus dem Garde-Meuble de la Couronne infolge der Aufenthaltswechsel des Hofs und stellt zudem fest, dass sich gewisse Adelige ungeniert in den Sammlungen bedienen, um ihre persönlichen Wohnsitze auszustatten. Er beschließt daher, eine Einrichtung zu gründen, die ein genaues Inventar führt, um Betrügereien zu vermeiden.

 

Eine Hauptaufgabe: die königlichen Residenzen möblieren

Aber wie funktioniert der königliche Garde-Meuble in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als es sich im Hôtel de la Marine befindet?

Seine Rolle besteht darin, die königlichen Residenzen zu möblieren, aber auch das entsprechende Mobiliar zu kaufen, instand zu halten und zu reparieren. 

An der Spitze dieser Institution steht der Intendant! Er ist für die Verwaltung des Inventars aber auch die Anfertigung neuer Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände zur Dekoration der königlichen Residenzen zuständig. Der Intendant verwaltet nicht nur die Möbel und Fertigungsaufträge, sondern muss ebenfalls die herausragende Stellung der königlichen Macht und das prunkvolle Auftreten des Königs fördern, indem der aktuellen Mode entsprechendeMöbelstücke unter Nutzung des Fachwissens der französischen Kunsthandwerker in Auftrag gegeben werden.

In den Räumlichkeiten des Garde-Meuble de la Couronne finden sich somit Lagerbereiche, Möbelreparaturwerkstätten, aber auch Ausstellungsstücke der Sammlungen: die aktuellen Empfangssäle sind zur Loggia hin geöffnet. Die schönsten Möbel, aber auch Bronzeskulpturen, aufwändig gearbeitete Goldschmiedekunst, Waffen und vor allem ...die Kronjuwelen waren immer von Ostern bis Allerheiligen an allen ersten Dienstagen des Monats öffentlich ausgestellt und allgemein zugänglich

Eine perfekt durchdachte Inszenierung, um die Franzosen aber auch die ausländischen Besucher zu beeindrucken! Diese Ausstellung von Wertgegenständen, die einem öffentlichen Publikum zugänglich war, kann als erstes Kunstgewerbemuseum der Hauptstadt betrachtet werden. 

 

La Galerie des Antiques au Garde-Meuble dessinée par Jean-Démosthène Dugourc (1778)

La Galerie des Antiques au Garde-Meuble [Die Galerie der Antiquitäten im Garde-Meuble], gezeichnet von Jean-Démosthène Dugourc (1778) 

 

Die verschiedenen Berufe innerhalb des Garde-Meuble de la Couronne

Neben dem Generalintendanten, der an der Spitze der Einrichtung steht, begegnen sich zahlreiche Berufe in den Korridoren des Garde-Meuble. Insgesamt sind etwa 100Personen vor Ort beschäftigt.

Verwaltung und Inspektion

Unter den verschiedenen Berufsgruppen finden sich ein Sekretär, Beauftragte des Sekretärs oder auch Bürohilfen, die mit der Verwaltung des Garde-Meuble betraut sind.

Der Garde général [Generalaufseher] ist für die Aufbewahrung und Überwachung der vor Ort gelagerten Möbel sowie ihren Transport in die königlichen Residenzen zuständig. 

Ein Prüfer hat die Aufgabe, die Qualität des eingehenden Mobiliars zu kontrollieren. Es handelt sich um eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme eines kürzlich erstandenen Möbelstücks in den Bestand!

Zum Personal des Garde-Meuble gehören ebenfalls zwei Inspektoren, die den Zustand aller Inventarstücke und ihren Aufstellungsort in den königlichen Residenzen überprüfen. Es handelt sich in gewisser Hinsicht um die Vorläufer der heutigen Museumsverwalter: Sie kümmern sich sorgfältig um die Objekte der königlichen Sammlungen!

 

Portrait de Jean-Henri Riesener par Antoine Vestier (1786)

Porträt von Jean-Henri Riesener, ein berühmter Ebenist des 18. Jahrhunderts, gemalt von Antoine Vestier (1786) 

 

Eine, zwei oder mehrere königliche Residenzen?

Ein Teil des Personals des Garde-Meuble ist in den verschiedenen königlichen Residenzen angestellt. Etwa ein Dutzend Personen sind z. B. für das Mobiliar in Schloss Versailles zuständig. In jeder königlichen Residenz ist ebenfalls ein Portier zugegen. Montreuil, Fontainebleau, Compiègne, Marly, Choisy, Trianon, Rambouillet und Saint-Germain-en-Laye, Geburtsstätte von Ludwig XIV.

Instandhaltung und Reparatur des Mobiliars

Zahlreiche Handwerker arbeiten ebenfalls in den Aufbewahrungsräumen, Lagern und Reparaturwerkstätten dieses Palasts am Place de la Concorde.

Dabei handelt es sich u. a. um:

  • Lagerarbeiter, die das Mobiliar in Empfang nehmen und transportieren;
  • Ebenisten: Sie bearbeiten die Teile aus Holz von Sesseln, Sofas, Stühlen, Kommoden, Tischen... ;
  • Polsterer, die alle Stoffteile von Sesseln, Stühlen oder Wandschirmen, Vorhängen und Wandteppichen reparieren oder erneuern;
  • ein Waffenschmied und ein Mechaniker, die für die Waffen und Metallteile am Möbelstück wie die Mechanismen der Geheimfächer zuständig sind;
  • Feger/Kehrer, deren Aufgabenbereich die Wartung und Reinigung des gesamten Palasts als Spiegelbild der königlichen Pracht, aber auch... das Einheizen der Kaminöfen in allen Räumen umfasst!

 

Wussten Sie das? 

Die Herstellung eines königlichen Möbelstücks

Wenn ein neues Möbelstück für eine königliche Residenz benötigt wird, dann gibt der Intendant des  Garde-Meuble de la Couronne die entsprechende Bestellung bei einem Ebenisten oder Schreiner auf! Er ist ebenfalls für den Herstellungsverlauf vom Entwurf bis zum Empfang des Gegenstands zuständig. Die Möbelmanufakturen befinden sich im 18. Jahrhundert hauptsächlich in Werkstätten in Paris. Zahlreiche dieser Möbelhersteller finden sich im Pariser Viertel Faubourg Saint Antoine.

Das fertige Möbelstück wird dann dem Garde-Meuble am Place de la Concorde geliefert, wo es in das Inventar der königlichen Sammlungen aufgenommen wird. Der "Garde général" [Generalaufseher] organisiert anschließend seine Überführung nach Versailles oder in einen anderen königlichen Palast.