Die königlichen Sammlungen, die im Garde-Meuble de la Couronne aufbewahrt werden, umfassen tausende wertvolle Objekte, die eigens angefertigt wurden, um die Wohnsitze des Königs mit gebührendem Prunk und Pomp auszustatten.

Wissen Sie, wie diese Sessel, Kommoden und Betten hergestellt wurden? Werfen wir nun einen Blick hinter die Kulissen der Werkstätten, die für den König arbeiten!

Die Schritte der königlichen Möbelherstellung

Der Intendant des Garde-Meuble de la Couronne leitet den Prozess zur Herstellung eines neuen Möbelstücks ein, der folgende Schritte umfasst:

  • der Intendant beauftragt Gondouin, offizieller Architekt und Konstrukteur des Garde-Meuble, mit der Anfertigung mehrerer Entwürfe des Möbelstücks sowie eines Wachsmodells;
  • die Zeichnungen und das Modell werden dem König vorgelegt, der die Entwürfe akzeptiert (oder zurückweist);
  • der Garde-Meuble kontaktiert seine Auftragsnehmer, um Offerten für die Anfertigung des Möbelstücks zu erhalten;
  • die Administration des Garde-Meuble akzeptiert die Offerten je nach vorgeschlagenen Preisen;
  • das Stück wird von ausgewählten Handwerkern angefertigt und direkt in den Garde-Meuble de la Couronne geliefert, der es in das Inventar aufnimmt und dann in die königliche Residenz sendet, für die es bestimmt ist.

Hinweis: der Hersteller-Handwerker ist für die Pflege des Möbelstücks zuständig!

Secrétaire en armoire de Jean-Henri Riesener, Paris, 1771

Schreibtisch mit Aufsatz von 1771 von Jean-Henri Riesener

 

Die verschiedenen Berufe

  • Der Drechsler führt die Struktur der einfachen Sessel, insbesondere der Füße, aus.
  • Der Schreiner arbeitet alle Teile aus Vollholz aus: Sitzteil, Tisch, Kommoden… er fertigt ebenfalls die Täfelungen für Wanddekore an.
  • Der Ebenist führt alle Furnierarbeiten an den Möbeln aus, u. a. die Marketerie (Einlegearbeiten).
  • Der Schnitzer kümmert sich um die Verzierungen.
  • Der Polsterer ist für die Beläge und Stoffe zuständig.
  • Der Schlosser fertigt die Rollen, Angeln, Schrauben, Faltgelenke, Rahmen... an
  • Die Posamentierer liefern alle kleinen Dekorationselemente für die Vollendung der Möbel: Knöpfe, aber auch Bänder, Quasten oder Fransen, um die Nähte zu kaschieren und das Gesamtbild zu verschönern. 
  • Nach dem Schreiner ist der Maler dafür zuständig, die Holzspalten zu verschließen und die Oberflächen zu bemalen, zu wachsen oder zu lackieren.
  • Der Vergolder trägt Blattgold auf die die Möbel auf.

 

Ein frühes Beispiel für Nachhaltigkeit?

Das abgenutzte oder beschädigte Mobiliar wird nicht weggeworfen! 

Bei den Polsterern geht nichts verloren: die Wolle der Matratzen wird kardiert, d. h. entwirrt und gelockert, und für die Herstellung von Polstern verwendet. Die Polsterstoffe können zugeschnitten werden, um andere kleinere oder weniger hochwertige Möbel zu überziehen. Im Fall von übermäßiger Abnutzung können sie ebenfalls für die Herstellung von Strohsäcken verwendet werden. Wenn sie Gold- oder Silberfäden enthalten, werden sie mitunter verbrannt, um das Metall zurückzugewinnen.

Und die Möbel? Die Möbel der Privatgemächer des Königs werden stark beansprucht und sind folglich schnell beschädigt. Aber es kommt nicht in Frage, dass sich der König in einer verblassten, abgenutzten und abgewohnten Umgebung aufhält! Daher werden die Möbel in die Landsitze geschickt oder für die Möblierung der Wohngemächer des Kleinadels am Königshof verwendet. Sie können ebenfalls verkauft werden: Das hochwertige Mobiliar erzielt auch gebraucht einen hohen Preis. 

 

Die Berufsausbildung

Die Berufe der Ebenisten, Polsterer oder Schreinermeister erfordern eine langjährige Ausbildung.

Zunächst beginnen die jungen Burschen im Alter von 15 oder 16 Jahren eine Lehre in einer Werkstatt. Sie erhalten Kost und Unterkunft beim Meister, der sich verpflichtet, sie für einen von den Eltern ausgezahlten Geldbetrag im Rahmen eines Berufslehrgangs auszubilden. Die Lehrzeit ist lang und dauert durchschnittlich zwischen 4 und 5 Jahren

Wenn sie ihren Beruf ausreichend beherrschen, werden die Lehrlinge zu Gesellen. Sie können dann ihr sogenanntes "Meisterstück" anfertigen, d. h. ein Objekt von sehr hoher technischer und künstlerischer Qualität, das ihr Fachwissen und Geschick unter Beweis stellt. Es handelt sich um eine Art Bildungsabschluss, mit dem die Handwerker den Meistertitel erhalten, den sie für die Eröffnung einer eigenen Werkstatt benötigen. 

Heutzutage ist die Ausbildung der Handwerker und insbesondere der Kunsthandwerker weiterhin stark von diesem System geprägt. Die Gesellenbruderschaft existiert seit mehr als 800 Jahren und ist von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt.