ZEITUNGSMELDUNG Vom 11. bis 17. September 1792 hat eine Verbrecherbande nachts die Kronjuwelen unter den Augen der Wächter des Garde-Meuble de la Couronne an der Place de la Concorde geraubt. Die Fakten im Rückblick.

Der Coup des Jahrtausends

Roland, der damalige französische Innenminister, und Restout, der Sicherheitsleiter des Garde-Meuble de la Couronne an der Place de la Révolution (Anm. d. Red.: zukünftige Place de la Concorde)hatten bereits eindringlich davor gewarnt! Angesichts des vorherrschenden Klimas der Unsicherheit in der französischen Hauptstadt erachteten sie die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort und den Schutz der Tresore eindeutig als unzureichend. In den Ehrensalons waren neben dem Mobiliar der königlichen Sammlungen auch die Kronjuwelen ausgestellt.

Laut dem Inventar, das von der konstituierenden Nationalversammlung in Auftrag gegeben wurde, umfasste der Kronschatz mehr als 10.000 Edelsteine: Diamanten, Perlen, Rubine, Smaragde, Topase und Saphire.Zahlreiche unersetzliche Exemplare bilden diesen Nationalschatz, der von den französischen Königen ab dem 16. Jahrhundert zusammengestellt wurde und den "Großen Saphir" von Ludwig XIV. sowie den Sancy-Diamant umfasst. Unter den kostbarsten Stücken befand sich auch der Regent-Diamant, das wertvollste Juwel. Sein Wert beläuft sich laut Schätzungen auf mehr als 12 Millionen Livres (Anm. d. Red.: Dieser Betrag entspricht mehreren zehntausend Millionen Euro im 21. Jahrhundert), und alle Juwelen stellen einen Gesamtwert von ungefähr 23 Millionen Livres dar.

 

Une partie des joyaux de la Couronne exposée au Musée de Minéralogie - Mines Paris Tech

Ein Teil der Kronjuwelen ist ebenfalls im Musée de Minéralogie-Mines Paris Tech ausgestellt

 

Vor den Augen der Wächter des Garde-Meuble

Eine Bande von Dieben, deren Anführer ein gewisser Paul Miette war, brach in die Schatzkammer ein, um die Schmuckstücke zu entwenden

Bei Nacht kletterten die Diebe die Fassade des Garde-Meuble mithilfe von Seilen hoch, indem sie sich auf die Laternen der Place de la Révolution stützten. Nachdem sie somit den Balkon im ersten Stock erreicht hatten, waren sie vor den Blicken eventueller Passanten geschützt und konnten eine Fensterscheibe einschlagen sowie den Innenladen des Salons aufbrechen, in dem sich die wertvollen Juwelen befanden.

 

Die meisten dieser Diebe wurden von den Sicherheitskräften noch im Laufe des Abends verhaftet. Acht von ihnen wurden wegen "Verschwörung und Versuch der Plünderung der Republik" schuldig gesprochen und zum Tod durch die Guillotine verurteilt.

 

Aber wer profitierte von diesem Verbrechen?

Die Ermittler stellten zahlreiche Unstimmigkeiten vor Ort fest. Die Schlösser der Kästen mit den Diamanten waren nicht aufgebrochen. Und wer kann ernsthaft glauben, dass 40 Übeltäter so viele unermesslich wertvolle Objekte rauben konnten, ohne die Aufmerksamkeit des Personals des Garde-Meuble zu erregen - und das in vier aufeinanderfolgenden Nächten?

Es gab zahlreiche Verdächtigungen über den tatsächlichen Auftraggeber dieser unerhörten Tat. Befanden sich Komplizen im Inneren des Gebäudes? Schenkte Danton die Juwelen dem Herzog von Braunschweig, um den Sieg der französischen Armeen in Valmy zu erkaufen? Oder ist dieses unglaubliche Ereignis einfach nur auf die allgemeine Unsicherheit zurückzuführen, die in diesem September 1792 in Paris herrschte?

Angesichts der preußischen Invasion und der Massaker, die sich vom 2. bis 6. September 1792 ereigneten und denen Thierry de Ville d'Avray, der letzte Intendant des Garde-Meuble, zum Opfer fiel, ist die dritte Hypothese am wahrscheinlichsten.

 

Epilog: Die meisten Kronjuwelen wurden zwei Jahre später wieder gefunden. Der "Bleu de France" sollte allerdings erst 20 Jahre später vollständig neu geschliffen in England auftauchen und ist seither als "Hope-Diamant" (Hoffnung) bekannt.