Versailles-Parkett, Marmorkamine, geschnitzte Dekorplatten oder Tapeten - welches sind die Must-haves bei der Inneneinrichtung und Dekoration eines aristokratischen Wohngemachs im 18. Jahrhundert?

Besichtigung einer Musterwohnung: das Wohngemach des Intendanten des Garde-Meuble de la Couronne

Der Grundriss eines typischen Wohngemachs

Die oberste Regel lautet, dass ein adeliges Wohngemach auf jeden Fall über ein Vorzimmer, ein Zimmer und ein Kabinett verfügen muss. Von jedem dieser Zimmer können mehrere vorhanden sein, eventuell ergänzt durch ein Badekabinett oder ein Klosett.

Im 18. Jahrhundert verliert das Zimmer zunehmend seine Rolle als Ort der Geselligkeit und Empfangsbereich. Die verschiedenen Salons und der Speisesaal ersetzen die Vorzimmer.

Die Räume grenzen aneinander, und die Türen liegen auf einer Ebene direkt gegenüber, um eine Gesamtperspektive zu schaffen. Eventuell vorhandene Korridore werden ausschließlich von den Hausdienern genutzt, um sich möglichst diskret im Wohngemach zu bewegen.

 

Enfilade des salles Louis XIV au premier étage de l’aile Nord du Château de Versailles

Die von Ludwig XIV. angelegte Reihe von Sälen im ersten Stock des Nordflügels im Château de Versailles.

 

Wussten Sie das?

Im 18. Jahrhundert entsteht der Begriff der Privatsphäre. Die Adeligen hatten genug vom Höflingsdasein in großen Prunksalons unter der Herrschaft von Ludwig XIV. und geben diesen Lebensstil allmählich auf, um in privaten Räumen wie Musikkammern, Boudoirs oder Bibliotheken zu verweilen. Somit entwickelt sich nach und nach das Konzept des "Privatlebens".

 

Dekoration und Mobiliar

Im 18. Jahrhundert verschwinden endgültig die typischen Wandteppiche des Mittelalters, die noch bis ins 17. Jahrhundert verwendet wurden. Sie werden ersetzt durch Wanddekore aus gemalten oder geschnitzten Holzplatten. Bei den Restaurierungsarbeiten 2018 und 2019 in den Wohngemächern des Intendanten des Garde-Meuble de la Couronne wurden die Originaldekore freigelegt. Die Dekoration ist unterschiedlich je nach Verwendungszweck des Raums und reicht von weißer Wandfarbe mit einfachen Stuckverzierungen für einen Vorraum über Marmorkamine mit gemeißeltem und blattgoldverziertem Ausschmückungen bis zu bemalten Türsimsen oder Friesen auf den Türrahmen. Die Dekoration eines Raums verdeutlicht die bedeutende Stellung und Pracht der Institution des Garde-Meuble.

Bodenbeläge wie Fliesen und Vollholzparkett mit verschiedenen Motiven verschönern und verzieren die Räume.

 

Une restauratrice à l'oeuvre dans les appartements de l'intendant

Eine Restauratorin bei der Arbeit in den Wohngemächern des Intendanten des königlichen Garde-Meuble.

Die Wände werden ebenfalls mit Tapeten geschmückt. Im Gegensatz zu dem, was der Name andeutet, handelt es sich um Papiere, die dank einem handwerklichen Verfahren mit genau aufeinanderliegenden Kanten verklebt werden, um ein - ggf. sich wiederholendes - Motiv zu schaffen.

 

Papier peint représentant deux bateaux dans une crique

Ein schönes Beispiel einer Tapete mit einem Motiv von zwei Booten in einer Bucht

Besonderes Augenmerk gilt der Möblierung, um den Verwendungszweck jedes Raums genau zu verdeutlichen. Somit werden in den verschiedenen Wohnräumen zahlreiche Sessel, Stühle, Sofas aufgestellt, aber auch Schreibtische in den Arbeitszimmern, Nachttische in den Schlafzimmern, Konsolen für Vasen, kleine Skulpturen oder Uhren (das Hôtel de la Marine wird vom Sponsor Rolex France unterstützt) in den Salons, Spieltische....

 

Die Kabinette von Fontanieu

Pierre-Elisabeth de Fontanieu wohnte als erster Intendant des Garde-Meuble de la Couronne im Palast an der Place de la Concorde und ließ private Kabinette für seinen persönlichen Gebrauch einrichten.

 

Das Spiegelkabinett

Das Spiegelkabinettgrenzt direkt an das Schlafzimmer des Intendanten an und offenbart die Vorliebe Fontanieus für Sängerinnen und Tänzerinnen mit ausschweifendem Lebenswandel. Die Wände sind zur Gänze mit Spiegeln verkleidet, deren Rahmen Stuckverzierungen und Gesimse aus vergoldetem Holz aufweisen. Diese Spiegel sind bemalt mit pausbäckigen Engelchen, Vasen auf Sockeln, Vögeln, Pflanzenmotiven und.... nackten Frauen

 

Cabinet des glaces, appartements de l’intendant

Das Spiegelkabinett, direkt erreichbar über das Gemach von Pierre-Elisabeth de Fontanieu

 

Das Goldene Kabinett

Direkt dahinter liegt das Goldene Kabinett, ein Privatgemach mit .... vergoldetem Dekor ! (Es wurde so wie das Spiegelkabinett dank dem Sponsoring von Siaci Saint-Honoré restauriert).

Bemalte Wandvertäfelungen, Zierranken mit Pflanzenmotiven, aber auch zwei Kamine aus kunstvoll gemeißeltem weißem Marmor befinden sich in diesem Raum, bei dem es sich sicherlich um ein Boudoir für Damen handelt. Die Ausstattung umfasst verschiedene Möbel von Jean-Henri Riesener, Ebenist des Königs.

Es handelt sich um ein anschauliches Beispiel für die Kunst der damaligen Handwerker, die das von Jacques Gondoin entworfene Dekor geschickt ausgeführt haben.

 

Wussten Sie das?

Zur Zeit, als sich der Generalstab der Marine im Gebäude befand, diente das goldene Kabinett als.... Küche! Die Originaldekore wurden vollständig mit Edelstahlplatten überdeckt und blieben somit vor den Einwirkungen der Zeit verschont.

 

Die Labore

Fontanieu war ein begeisterter Anhänger der Wissenschaften und ließ zwei Labore in seinen Wohngemächern einrichten. Er beschäftigte sich hier mit der Herstellung von Halbedelsteinen. Zu seinen Werken zählt u. a. der Kronleuchter aus vergoldeter Bronze, der mit Kristallen in Diamantoptik und farbigen Edelsteinen verziert ist.

Die Labore wurden später umgebaut, um darin die Wohngemächer des Intendanten unterzubringen.

Die Wohngemächer des Intendanten des Garde-Meuble de la Couronne beinhalten herausragende Exemplare für Dekoration und Inneneinrichtung im 18. Jahrhundert. Sie versetzen den Betrachter in das luxuriöse Leben der Adeligen zu dieser Zeit im Herzen von Paris.